Resümee des ersten Projektteils

Liebe Gäste unserer Projektwebseite bzw. unseres Online-Blogs zum Projekt!

In diesem Artikel fasst Silvia Cornacchiari ihre persönlichen Erfahrungen in Zusammenhang mit unserem Projekt nochmals zusammen. Dabei verdeutlicht sie vor allem, wie vielseitig das Projekt sich gestaltet und wie wichtig dabei gerade auch die persönlichen Eindrücke und Erfahrungen der Studierenden selbst sind.

Bu makalede Silvia Cornacchiari, projemizle bağlantılı kişisel deneyimlerini özetlemektedir. Her şeyden önce, projenin ne kadar çok yönlü olduğunu ve öğrencilerin kişisel izlenimlerinin ve deneyimlerinin ne kadar önemli olduğunu gösterir.

Fabienne Bitz


Wie führen wir unsere eigenen Interviews durch?

Ein Beitrag von Silvia Cornacchiari

„Und, wie war’s?“: Eine erste Bilanz des Projektes

„Und, wie ist die Uni dieses Semester gelaufen?“

Diese Frage würden meine besten Freund*innen und ich uns Anfang März gegenseitig stellen, wenn wir von unseren Studienorten auf der ganzen Welt wieder nach Hause nach Italien fahren würden. Ich muss niemandem erklären, warum es im März 2021 nicht so geschehen wird – nicht nur kann kein Treffen stattfinden, sondern alle sind mit größeren Problemen beschäftigt, sodass der traditionelle Erfahrungsaustausch in den Hintergrund tritt. Trotzdem: Für mich ist es immer noch das Ende des Semesters und wenn niemand mir diese Frage stellen kann, dann frage ich mich eben selbst:

„Und, wie ist dieses Semester gelaufen? Was hast du gemacht?“

Der Standard-Einstieg für die Antwort wäre „Ach, nichts Spezielles, das Übliche halt“. „Das Übliche“ heißt: jede Woche in die Universität gehen, Texte lesen, Referate halten, Hausarbeiten schreiben. Aber dieses Semester ist ganz anders gewesen. Denn zum ersten Mal konnte ich ein Projekt begleiten, das nicht „zum Selbstzweck“ im Kurs behandelt wurde, sondern tatsächlich einen Bezug zur Praxis hat und realisiert werden soll: das Projekt „Schwetzinger Migrationsgeschichte(n)“.

Im Allgemeinen öffnet die Teilnahme an einem solchen Projekt für uns Studierende eine Reihe von Möglichkeiten, die wir im Studium normalerweise nicht bekommen. Es heißt, sich deutlich aktiver einzubringen als in einer „klassischen“ Veranstaltung. Es bedeutet, die Museumsarbeit nicht durch theoretische Texte, sondern in der Praxis kennenzulernen. Es heißt, dass wir uns um ein konkretes Projekt und die konkrete Planung Gedanken machen müssen. Es bedeutet auch, dass wir unsere eigenen Ideen einbringen können und diese Ideen ernst genommen werden.

Wir haben viele Dinge gelernt und es wäre nicht möglich, hier alles zu erzählen und zu beschreiben. Wir haben zusammen über Begriffe („Gastarbeiter“, aber auch „Wirtschaftswunder“ oder „Integration“) reflektiert und festgestellt, dass diese nicht so neutral sind, wie wir oft denken. Sie haben aus der „deutschen“ Perspektive eine Bedeutung, die für andere nicht zutrifft. Durch die Methode der „Oral History“ können wir diese „andere Perspektive“ direkt aus der Sicht der Zeitzeug*innen erfahren. Danach haben wir zusammen überlegt, wie wir ihre Perspektive darstellen und in die Geschichte der Stadt Schwetzingen integrieren können. Am Ende des Semesters haben wir unser Wissen für ein schriftliches Konzept angewandt, in dem wir beschreiben sollten, wie wir uns den konkreten Projektablauf und die Interviewfragen vorstellen.

Sie sehen: Wir haben sehr viel und über alles Mögliche diskutiert. Jede*r von uns durfte die eigenen Erfahrungen und Kenntnisse, aber auch die eigenen Fragen, Zweifel und Unsicherheiten einbringen.

Es gibt einen anderen Grund, warum dieses Seminar anders war: Es ist mit dem Ende des Semesters noch nicht vorbei, sondern das Projekt geht weiter. Zum Glück! Denn erstens wäre es sehr schade, wenn wir nicht anwenden könnten, was wir gelernt haben. Zweitens haben wir die Möglichkeit, die Themen zu vertiefen, die wir in diesen vier Monaten (November 2020 – Februar 2021) nur angerissen haben. Für jeden Aspekt wäre aber sehr viel mehr Zeit nötig, um ihn umfassend zu behandeln.

Im Zentrum des Projekts stehen die Oral History-Interviews mit ehemaligen „Gastarbeiter*innen“ aus der Stadt Schwetzingen. Diese Phase steht noch vor uns. Das stellt uns vor eine Reihe von Überlegungen und Fragen. Über einige von ihnen haben wir schon mehrmals reflektiert (was nicht bedeutet, dass wir schon eine Antwort gefunden haben): Welche Fragen stelle ich genau? Wie stelle ich sie? Welche Begriffe sollte ich benutzen oder vermeiden? Wie spreche ich über heikle oder emotionale Themen? Wie kann ich mit bestimmten Situationen (Schweigen, Diskussionen, Abschweifen) umgehen?

Foto: Das Karl- Wörn- Haus, Museum der Stadt Schwetzingen – ein möglicher Interviewort

Foto: „Karl-Wörn-Haus in Schwetzingen, Sitz des Heimatmuseums (Baden-Württemberg, Deutschland)“ / CC BY-SA 3.0 / via Wikimedia Commons

Aber vor und während des konkreten Interviews werden noch mehr Fragen dazu kommen, sowohl inhaltliche oder methodische zum Oral History-Interview an sich („Soll ich dieses Thema ansprechen?“, „Klingt diese Frage vielleicht unhöflich?“, „Was mache ich, wenn…?“), als auch zu praktischen Aspekten („Was soll ich anziehen?“, „Wo soll ich die Kamera oder das Mikrofon hinstellen?“, „Ich bin zehn Minuten zu früh da, soll ich schon klingeln?“).

Alles hängt natürlich auch davon ab, ob und wie wir die Interviews während der Coronavirus-Pandemie überhaupt durchführen können. Und auch das ist nur ein erster Schritt, denn die Interviews müssen anschließend noch verschriftlicht und als Quellen interpretiert werden, damit wir sie für das Projekt nutzen und diese „andere Perspektive“ verstehen und begreifbar machen können.

„Und, wie war’s?“ Wenn mir jemand diese Frage stellen würde, dann könnte ich das alles und noch mehr erzählen. An so einem Projekt mitzuarbeiten, bedeutet viel Arbeit, denn man muss sich über viele praktische Themen Gedanken machen, die wir im Studium normalerweise nicht beachten müssen. Gleichzeitig fällt es viel einfacher, über theoretische Aspekte zu diskutieren, wenn man ein konkretes Ziel (unser Projekt) zumindest „im Hinterkopf“ hat. Auch hilft es, dass wir unser großes Thema „Migrationsgeschichte(n)“ auf den lokalen Kontext der Stadt Schwetzingen beziehen. Auf diese Weise führen wir keine abstrakten Debatten, sondern unsere Überlegungen sind immer verbunden mit einem realen Ort, realen Institutionen und realen Menschen.

Und schließlich ist es sehr motivierend, etwas zu machen, das mit dem Semester nicht endet, sondern in der Praxis umgesetzt und realisiert wird.

Die nächsten Schritte des Projekts sind also die Suche nach Zeitzeug*innen und die Durchführung der Oral History-Interviews. Wie wir unsere eigenen Interviews genau führen, wissen wir jetzt (Stand: Februar 2021) noch nicht. Aber wir können sicher sein: Es wird sehr spannend. Und es wird Spaß machen!

Literatur

Aslan, Esra: Oral History yada „Sözlü Tarih“ nedir?, in: Schwetzinger Migrationsgeschichte(n) – Blog, [online] https://schwetzingen-gastarbeiter.de/blog/2021/01/14/was-ist-oral-history-oral-history-nedir/ [12.02.2021].

Leutbecher, Andreas: „Der Gastarbeiter“ (Eko Fresh), in: Schwetzinger Migrationsgeschichte(n) – Blog, [online] https://schwetzingen-gastarbeiter.de/blog/2020/12/10/der-gastarbeiter-eko-fresh/ [12.02.2021].

Tufan, Eylül: „Gastarbeiter“ – ein problematischer Begriff, in: Schwetzinger Migrationsgeschichte(n) – Blog, [online] https://schwetzingen-gastarbeiter.de/blog/2020/12/04/wir-sind-einwanderer/ [12.02.2021].

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